Jettingen
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Geschichtliches

Veröffentlicht: Mittwoch, 24. Dezember 2014

Von der Volksschule zur Gemeinschaftsschule

a) An der "Schulstraße Böblingen"

In den Gemeinden Unterjettingen und Oberjettingen bestanden seit Menschengedenken Volksschulen mit eigenen Schulhäusern und eigenen Lehrerkollegien. Beide Schulhäuser waren auch nach dem vergangenen Krieg intakt geblieben und konnten sofort wieder benutzt werden. In je drei Klassen wurden die Schüler der Gemeinden unterrichtet, wobei jede Schule selbstständig geführt wurde.

Der starke Zuzug von Flüchtlingen machte es in Unterjettingen notwendig, eine weitere Klasse einzurichten. Da im alten Schulhaus im Bongart kein weiterer Raum zur Verfügung stand, wurde eine Klasse ins Rathaus ausgelagert - zunächst in die ehemalige "Kinderschule", dann in den Rathaussaal". Diese Übergangslösung konnte jedoch nicht von Dauer sein. Zudem stiegen die Schülerzahlen weiter an, so dass Gemeinde und Schulleitung sich mit dem Gedanken eines Schulhaus-Neubaus vertraut machten. So entstand in den Jahren 1951-1953 in Unterjettingen beim Hohen Rain ein neues Schulhaus für die Volksschüler des Dorfes. Da man sich damals noch sehr nach der Decke strecken musste, baute man "nur" eine 4-klassige Schule mit den notwendigen Nebenräumen und einer kleinen Turnhalle. Zu vermerken ist, dass jeder Bürger des Dorfes zur Mithilfe herangezogen worden ist, indem er drei Tage lang fronen musste. Dieser Neubau war die 25. Schule nach dem Kriege an der sogenannten "Schulstraße Böblingen". Steigende Schülerzahlen und neue Anforderungen an die Schule machten schon 1962 die Erweiterung um vier Klassenzimmer notwendig.

 

b) Der Ausbau der "Oberklassen"

Im Laufe der sechziger Jahre traten Fragen der Bildung und Erziehung sehr stark ins Blickfeld unserer Gesellschaft. Gefordert wurden mehr Wissen, mehr Bildung, mehr Zeit für die Schule. Das schlug sich nieder in einer Umgestaltung der Schulorganisation zum einen und in der Neugestaltung der stofflichen Anforderungen zum anderen. Genannt seien hier nur die Einführung des 9. Schuljahres und damit verbunden die Neuschaffung der Grund- und Hauptschule an Stelle der Volksschule, die Pflege vertieften wissenschaftlichen Arbeitens, insbesondere auch durch die Schaffung von Jahrgangsstufen.

c) Nachbarschaftsschulen - ein neues Ziel

In ländlichen Gegenden war die Forderung nach Einrichtung von Jahrgangsklassen, dies besonders für das 9. Schuljahr, nicht überall leicht zu erfüllen. Oft standen der Schaffung solcher Klassen die nicht ausreichenden Schülerzahlen und auch fehlender Lehrstellen gegenüber. Und doch sollten auch diese Gebiete nicht ausgeschlosssen werden. So wurde der Gedanke der Nachbarschaftsschulen, besonders für die bisherige Oberstufe, die jetzige Hauptschule, geboren. Auch im Oberen Gäu fand dieses Anliegen manchen Verfechter. Die große Lösung: 1964/65 kommt eine Nachbarschaftsschule ins Gespräche, in der die Gemeinden Unterjettingen, Oberjettingen, Öschelbronn und Mötzingen ein gemeinsames Schulzentrum schaffen sollten. Gedacht war an eine "Gäuschule" in der sowohl Hauptschule, als auch Realschule und Sonderschule integriert werden sollten. Der Gedanke bestach zunächst dadurch, dass für viele Schüler kürzere Schulwege und ideale Schulverhältnisse geschaffen würden. Gleiche Bildungschancen, das war das Ziel der sich dafür einsetzenden Pädagogen. Selbst Fahrten bzw. Gänge in die benachbarten Rathäuser und Schulhäuser wurden nicht gescheut, dem neuen Gedanken Nachdruck zu verleihen. Ob es nur am Standort der neuen Schule (zwischen den Gemeinden gelegen) oder aber an der Sorge um den "Verlust" der Oberklassen lag, dass der Vorschlag zu keiner positiven Lösung führte? Die kleine Lösung: Ende 1965 teilt das Staatliche Schulamt Böblingen mit, dass die Bildung einer Nachbarschaftsschule nur noch zwischen den beiden Gemeinden Unterjettingen und Oberjettingen möglich sei, nachdem die Gemeinden Mötzingen und Öschelbronn unter sich die Einrichtung einer Nachbarschaftsschule beschlossen hätten. Damit war der Gedanke einer "Gäuschule" eines Schulzentrums in unserer Gegend, ausgeträumt und der Weg frei zu einer internen "kleinen Lösung" zwischen Unterjettingen und Oberjettingen. Schulbeirat und Gemeinderat beider Gemeinden befassten sich sofort mit der neuen Situation und zeigten in getrennten Sitzungen die Bereitschaft, auf dieser Basis eine gemeinsame Lösung einzugehen.

d) Auf dem Weg zur neuen Hauptschule

Bei den Überlegungen und Beratungen durch Schulen und Gemeinden standen von allem Anfang an zwei Gesichtspunkte im Blickfeld: Die Schaffung einer Übergangslösung bei der Errichtung der Nachbarschaftsschule Unterjettingen-Oberjettingen und der Bau eines neuen Schulhauses für die Hauptschule. Übergangslösung zur Nachbarschaftsschule: End 1965 heißen beide Gemeinderatsgremien die Bildung einer gemeinsamen Nachbarschaftsschule für gut. Am 01.12.1966 werden an der GHS Unterjettingen für die Klassen 5-9 Jahrgangsklassen eingerichtet, wobei die Klassen 7-9 aus Oberjettingen integriert werden. An der GHS Oberjettingen wird die Klasse 5 und 6 als gemeinsame Klasse unterrichtet. Um allen Schülern beider Gemeinden die gleichen Chancen zu bieten, wurde dann 1970 vereinbart, alle Klassen als Jahrgangsklassen zu führen. Dies bedeutete - zum einen wegen der Schülerzahl und zum anderen wegen des kaputten Schulraumes - dass nun folgendermaßen unterrichtet wurde: in Unterjettingen die Klassen 6-9 aus beiden Gemeinden, in Oberjettingen die Klasse 5 aus beiden Gemeinden. Der Bau eines neuen Schulhauses für die Hauptschule: Am 02.05.66 erteilt das Kultusministerium Planungszustimmung zur Einrichtung einer neuen Hauptschule. Damit war der Weg frei für die Gemeindegremien und für die Lehrerschaft, sich mit dem Gedanken eine Schulhausneubaus zu beschäftigen. Dabei war vordergründig, den richtigen Standort für die neue Schule zu finden. In Unterjettingen wurde der Wunsch laut, die neue Hauptschule in unmittelbarer Nähe des 1953 erbauten und 1962 erweiterten Schulhauses zu bauen. So könnten bereits vorhandene Einrichtungen genutzt und Kosten eingespart werden, außerdem gäbe es keine Probleme wegen der Bauplatzbeschaffung. In Oberjettingen schlug man einen Neubau südlich des Ortes im Gewann "Gartenäcker", also westlich der Straße Unterjettingen-Oberjettingen vor. Sehr bald stellte es sich heraus, dass für keinen der beiden Vorschläge Übereinkunft zu finden war, so dass ein neuer Standort gefunden werden musste. Damit wurde die Planungsgemeinschaft Kaltenbacher aus Stuttgart beauftragt. Am 01.12.1966 nach vorausgegangenen Verhandlungen, Besprechungen und Besichtigungen fanden sich zu einer gemeinsamen Sitzung beide Gemeindegremien zusammen. Eingeladen waren die Vertreter der Schulen, Behörden und die Planer. Einziger Tagungspunkt war: Der Bau der Hauptschule. Am Ende dieser denkwürdigen Sitzung wurde beschlossen: Die Gemeinden Unterjettingen und Oberjettingen bauen gemeinsam das neue Schulgebäude für die Hauptschule. Als Standort der Schule wird das Gewann "Röte", östlich der Straße Unterjettingen-Oberjettingen zwischen Wassergraben beim "Rosenbrünnele" und dem Peterweg bestimmt. Man war sich damit auf halbem Wege entgegengekommen und hatte sich auch des Planes aus dem Jahre 1938 erinnern lassen, der damals ein Schulzentrum bei der "Linde" vorgesehen hatte. So kann der 01. Dezember 1966 als Geburtsstunde der neuen Schule bezeichnet werden. Gleichzeitig aber sollte das neue Hauptschulgebäude ein Grundstein sein für die neue Gemeinde Jettingen. Am 26.03.1969 war Baubeginn der Hauptschule. 1970/71 wurde der Rohbau und Innenausbau fertiggestellt. Am 14.09.1971 wurde das neue Schulhaus mit 7 Klassen bezogen und 1 Monat später wurde die Hauptschule eingeweiht.

(von Walter Schmid, Rektor i.R., aus der Festschrift "20 Jahre Hauptschule Jettingen")

e) Weiterführung als Werkrealschule

Ab dem Schuljahr 2010/11 wurde die Hauptschule im Zuge der Einführung von Werkrealschulen als Werkrealschule weitergeführt und schrittweise zur Gemeinschaftsschule weiterentwickelt. 2013 konnten zum ersten Mal 17 Schülerinnen und Schüler das 10. Schuljahr besuchen und mit dem Mittleren Bildungsabschluss die Schule erfolgreich abschließen.

f) Weiterführung als Gemeinschaftsschule

Seit Februar 2014! Am 15. September 2014 starteten zwei 5. Klassen mit dem ersten Durchlauf an der Gemeinschaftsschule Jettingen.